Die Lehrer, vor allem ihre Einstellung gegenüber den Schülern, ist das eigentliche Geheimnis des Erfolges des angelsächsischen Privatschulsystems. Lehrer auf einem kanadischen, amerikanischen oder australischen Internat haben ein übergeordnetes Ziel: Die Potenziale der jungen Menschen, die ihnen anvertraut sind, zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen. Dafür sind sie Lehrer geworden. Dafür setzen sie sich ein; mit ungeheurem Engagement und mit ständiger Präsenz. Lehrer an angelsächsischen boarding schools sind quasi immer „approachable“. An Wochenenden und bis in die Nacht.
Das heißt nicht, dass sie Distanz aufgeben. Im Gegenteil. Hierarchien bleiben klar und werden akzeptiert. Trotzdem – nein: gerade wegen der Klarheit – gelingt es, Schüler und Lehrer in einem gemeinsamen Interesse zu koppeln. Der Lehrer leidet, wenn einer seiner Schüler sein offensichtliches Potenzial nicht ausschöpft.
Wenn Schüler – auch deutsche - spüren und erleben, wie sich ihre Lehrer für sie einsetzen, setzen sie alles daran, die in sie gesetzten Erwartungen auch zu erfüllen. Gegen das System könnte man sich noch wehren. Gegen die persönliche Erwartung eines Menschen, der selbst alles gibt, kaum.
Es gibt solche Lehrer auch an deutschen Schulen, allerdings sind sie dort die Ausnahme. An einem angelsächsischen Internat sind sie die Regel. Wenn ein Bildungs- und Erziehungssystem nicht fächer-, sondern schülerorientiert arbeitet, muss sich der Fächerkanon an den Interessen der Schüler orientieren. Genau das tut er: Die Fächer.