
Privileg verpflichtet
Was lernt ein Kind über soziale Verantwortung, wenn es eine Schule besucht, deren Jahresgebühren ein Vielfaches dessen betragen können, was ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Deutschland in einem ganzen Jahr verdient?
Die Frage ist berechtigt. Am Institut Le Rosey beispielsweise kostet ein Schuljahr inzwischen knapp 160.000 Schweizer Franken – etwa dreimal so viel wie der mittlere Bruttojahresverdienst eines Vollzeitbeschäftigten in Deutschland. Schweizer Internate stehen für hervorragende Bildung, internationale Netzwerke – und häufig für ein Maß an Privileg, das für die meisten Menschen kaum vorstellbar ist. Viele der Kinder, die hier zur Schule gehen, wachsen mit außergewöhnlichen Möglichkeiten auf und werden sich manche Gedanken um Geld oder Chancen im Leben vermutlich weniger häufig machen müssen als andere.
Umso interessanter ist, wie einige dieser Schulen damit umgehen.
Le Rosey formuliert es bemerkenswert unverblümt: „Rosey students are privileged children“. Und genau daraus leitet die Schule eine Verpflichtung ab: Wer viel hat, soll lernen, anderen etwas von seiner Zeit, Energie und seinen Möglichkeiten zu geben. Das bleibt nicht bei einem Charity Day im Schuljahr. Seit 2003 trägt die Rosey-Gemeinschaft die Partnerschule Rosey-Abantara in Bamako mit, an der heute rund 1.500 junge Menschen unterrichtet werden. Nun soll daneben eine Berufsschule für Informatik und Hotellerie entstehen.
Nicht nur Geld geben
Noch einen Schritt weiter geht Aiglon. Dort beschäftigt sich ein eigenes Student Philanthropy Committee mit der Frage, welche Projekte überhaupt Unterstützung verdienen. Schüler hören sich Vorschläge an, diskutieren Wirkung und entscheiden mit, wohin Mittel fließen. Das finden wir einen spannenden Gedanken. Denn wer später einmal über beträchtliche finanzielle Möglichkeiten verfügt, sollte vielleicht nicht nur gelernt haben, großzügig zu sein. Sondern auch zu fragen: Was bewirkt mein Geld eigentlich? Wo hilft es wirklich? Und wo vielleicht nicht?
Bei Beau Soleil wiederum wird aus sozialer Verantwortung Unternehmertum. 17g Coffee begann 2020 mit einigen Schülern und einer Espressomaschine. Heute erwerben Jugendliche professionelle Barista-Qualifikationen, rösten und vermarkten Kaffee, beschäftigen sich mit transparenten Lieferketten und reisen nach Kenia, um die Menschen kennenzulernen, die ihren Kaffee anbauen. Die Gewinne des gemeinnützigen Unternehmens fließen zurück in soziale und ökologische Projekte in den Herkunftsregionen. Plötzlich geht es nicht mehr nur um eine Tasse Kaffee. Es geht darum zu verstehen, wie eine Lieferkette funktioniert, wer an einem Produkt verdient und welche Verantwortung ein Unternehmen gegenüber den Menschen am anderen Ende dieser Kette trägt.
Und manchmal beginnt Verantwortung vor der eigenen Haustür
Dafür muss man allerdings nicht nach Afrika reisen. Bei Brillantmont helfen ältere Schüler regelmäßig freitagabends in einer Lausanner Suppenküche. Bei TASIS am Luganersee arbeiten Jugendliche mit jungen Flüchtlingen und Asylsuchenden zusammen. In der neunten Klasse ist Service Learning sogar verpflichtend: Bevor Schüler aktiv werden, beschäftigen sie sich mit Themen wie Armut, Bildung, Wasser, Geschlechtergerechtigkeit und gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Das gefällt uns besonders. Denn soziale Verantwortung sollte nicht zur exotischen Erfahrung werden, die man auf einer Reise in ein ärmeres Land sammelt und anschließend abhakt. Es geht um Begegnung. Um Perspektivwechsel. Und irgendwann vielleicht um die Erkenntnis, dass die eigenen Lebensumstände keineswegs selbstverständlich sind.
Was macht man aus seinen Möglichkeiten?
Natürlich wird aus einem Jugendlichen nicht automatisch ein sozial verantwortlicher Mensch, weil er ein paar Stunden Community Service absolviert. Und auch das schönste Sozialprojekt kann zum Pflichtprogramm werden, das man eben erledigt. Aber Schulen können Erfahrungen ermöglichen. Sie können einen Jugendlichen, der es gewohnt ist, dass vieles für ihn organisiert wird, plötzlich selbst Verantwortung übernehmen lassen. Einen Schüler mit großen Möglichkeiten darüber nachdenken lassen, welche Wirkung Geld haben kann. Und Jugendliche erleben lassen, dass Erfolg nicht nur darin besteht, möglichst viel für sich selbst zu erreichen.
Vielleicht ist dieser Gedanke auch deshalb in der Welt der Internate so tief verwurzelt. Aiglons Gründer John Corlette hatte zuvor in Gordonstoun unterrichtet und dort die Pädagogik Kurt Hahns kennengelernt. Später gehörte Aiglon zu den Gründungsschulen von Round Square, jenem internationalen Schulverbund, der aus Hahns Ideen von Adventure, Leadership und Service hervorging. Eines von Hahns Salemer Gesetzen bringt den Gedanken ziemlich kompromisslos auf den Punkt: „Befreit die Kinder der Reichen und Einflussreichen von dem lähmenden Bewusstsein ihrer Bevorzugung.“ Fast hundert Jahre später klingt das erstaunlich aktuell. Denn Privileg lässt sich nicht wegpädagogisieren. Und es wäre auch merkwürdig, Kindern ein schlechtes Gewissen dafür einzureden, dass sie unter sehr guten Bedingungen aufwachsen.
Aber man kann ihnen eine Frage mit auf den Weg geben: Was machst du mit den Möglichkeiten, die du hast?
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Jede der Beraterinnen bei Töchter und Söhne hat einen Bereich, in dem sie sich besonders gut auskennt. Nutzen Sie deren Kompetenz! Wenn Sie eine bestimmte Beraterin mal nicht direkt erreichen können, ist sie bestimmt auf einer ihrer regelmäßigen Inspektionsreisen zu Internaten.
Unsere ratgeber artikel
Tauchen Sie ein in die Welt der Bildung ohne Grenzen und erfahren Sie, wie Internate das Bildungserlebnis Ihres Kindes bereichern können.












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