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Wenn die Antwort nur einen Klick entfernt ist

Eine Frage an ChatGPT, wenige Sekunden warten – und da ist die Erklärung.

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Eine Frage an ChatGPT, wenige Sekunden warten – und da ist die Erklärung.

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25
September
2026
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Gut formuliert, strukturiert und meistens erstaunlich hilfreich. Warum also noch Vokabeln lernen? Warum sich mit einer Matheaufgabe herumärgern? Warum einen Aufsatz dreimal umformulieren, wenn eine KI es in Sekunden besser kann?

Vielleicht gerade deshalb.

Denn Wissen ist mehr als ein Speicher, den wir bei Bedarf abrufen. Es ist das Material, mit dem wir denken. Nur wer etwas weiß, kann Zusammenhänge erkennen, Aussagen einordnen und überhaupt die richtigen Fragen stellen.

Noch wichtiger aber ist der Weg dorthin. Ein Kind, das über einer Aufgabe sitzt, ausprobiert, scheitert, noch einmal anfängt und irgendwann selbst auf die Lösung kommt, hat mehr gelernt als die richtige Antwort. Es hat gelernt, Frustration auszuhalten. Es hat erfahren, dass Anstrengung zu einem Ergebnis führen kann. Und es hat etwas geschafft, ohne dass jemand – oder etwas – ihm den entscheidenden Schritt abgenommen hat.

Genau diese Erfahrung könnte in einer Welt künstlicher Intelligenz immer wertvoller werden.

Was muss Schule heute eigentlich lehren?

Spannend ist, wie unterschiedlich gute Schulen diese Frage inzwischen beantworten.

Am Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen lernen Kinder mit „Humanix“ nicht einfach den Umgang mit neuen Technologien. Es geht um künstliche Intelligenz, Daten, kritisches Denken und darum, wie Mensch und Maschine künftig zusammenarbeiten. Schüler haben dort sogar an einer eigenen AI Charter mitgearbeitet.

Appleby College in Kanada bringt den Gedanken vielleicht am treffendsten auf den Punkt: „Augmentation over Automation“. KI soll den Menschen unterstützen, ihn aber nicht ersetzen. In „Ethics and AI“ beschäftigen sich Schüler mit Bias, Desinformation und den gesellschaftlichen Folgen künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig schafft die Schule ganz bewusst Räume für praktisches Lernen: Eine eigene Immersive Week kommt ohne Noten und Hausaufgaben aus – eine Woche, um sich wirklich in ein Thema zu vertiefen, auszuprobieren und etwas entstehen zu lassen.

An amerikanischen Internaten findet man inzwischen Kurse, die vor wenigen Jahren an einer Schule kaum denkbar gewesen wären. „Ethics and Technology“ heißt einer in Andover. In Exeter gibt es „Silicon Valley Ethics: Case Studies“ – mit Fragen zu künstlicher Intelligenz, Privatsphäre, algorithmischen Entscheidungen und der Verantwortung derjenigen, die diese Technologien entwickeln.

Andere Schulen setzen einen ganz anderen Schwerpunkt. In Pomfret können Jugendliche zwei Jahre lang an einem selbst gewählten Thema arbeiten, mit Mentoren und Experten forschen und am Ende ihr eigenes Capstone-Projekt verteidigen. In Gordonstoun wiederum gehört es bis heute zur Ausbildung, aufs Meer und in die Berge zu gehen und echte Verantwortung zu übernehmen – etwa im Coastguard Rescue Service, bei der schuleigenen Feuerwehr oder im Naturschutz.

Die Antworten könnten unterschiedlicher kaum sein. Und doch steckt dahinter derselbe Gedanke: Kinder auf eine Welt vorzubereiten, deren konkrete Anforderungen wir heute noch gar nicht kennen.

Genau hier liegt aus unserer Sicht eine besondere Chance des Internats. Schule endet dort nicht mit der letzten Unterrichtsstunde. Lernen passiert auch beim gemeinsamen Projekt, auf einer Expedition, im Sportteam, bei einer Diskussion am Abend oder dann, wenn etwas nicht sofort funktioniert und man trotzdem weitermachen muss.

Natürlich wäre es unsinnig, Kindern KI vorzuenthalten. Sie werden mit ihr leben und arbeiten, so selbstverständlich wie wir heute mit Suchmaschinen, Navigationssystemen und Taschenrechnern umgehen. Sie müssen lernen, KI klug zu nutzen, ihre Antworten zu hinterfragen und ihre Möglichkeiten zu verstehen.

Aber sie müssen eben auch lernen, wann sie sie nicht nutzen sollten.

Vielleicht wird deshalb eine der wichtigsten Aufgaben guter Schulen künftig darin bestehen, Räume zu schaffen, in denen nicht jede Abkürzung genommen wird. In denen Kinder lesen, diskutieren, rechnen, schreiben, ausprobieren und manchmal eine ganze Weile über etwas nachdenken müssen. Nicht obwohl es schneller ginge, sondern weil genau dabei etwas entsteht, das keine KI für sie übernehmen kann.

Denn je leistungsfähiger unsere Werkzeuge werden, desto wichtiger wird die Frage, was wir selbst können wollen.

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Ihre Janka Zöller,

Töchter & Söhne

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